Vorträge/Filme


Das Bürgerforum Buntes Fuchstal zeigt vorab den Kinofilm

Hinterm Deich wird alles gut

Einladung des Bürgerforums Buntes Fuchstal zu einem Dokumentarfilm über Gemeinwohlökonomie mit anschließender Diskussion

Trotz Faschingsferien, Grippewelle und Wahlsonntag in Hamburg konnte der Film “Hinterm Deich wird alles gut” von Gabriele Kob und Hanno Hart 60-70 Besucher aus Fuchstal, Landsberg und dem Nachbarlandkreis Weilheim-Schongau ins Hofgartenhaus in Leeder anlocken.

Gemeinwohlökonomie (GWÖ) – kann es mit ihr gelingen, Klimawandel und Ausbeutung von Arbeitskräften zu stoppen und auf eine nachhaltige soziale umweltverträgliche Wirtschaftsordnung umzustellen?

Der knapp einstündige Film berichtet über die drei Nordseekommunen Breklum, Klixbüll und Bordelum sowie eine soziale Einrichtung, die alle auf GWÖ umgestellt hatten.

Natürlich waren diese drei Nordseedörfer mit anderen Problemen konfrontiert als wir im Landskreis Landsberg. Dort herrscht durch Windenergie selbst produzierter Strom im Überfluss (auch wenn die Bilanzierung sogar dort ergeben hatte, dass seltsamerweise Kohle- und Atomstrom dazu gekauft wurden), bei uns ist die Energieautarkie noch lange nicht in allen Gemeinden des Landkreises erreicht.

Ein Zuschauer informierte die Anwesenden, dass im Landkreis Weilheim-Schongau sich bereits drei Dörfer für eine GWÖ-Zertifizierung angemeldet hätten.

Dr. Anke Butscher, die in dem Film als GWÖ-Beraterin mitgewirkt hatte, beantwortete zusammen mit Herrn Jochen Siebel, einem GWÖ-Unternehmensberater aus Landsberg, die Fragen aus dem Publikum.

  • Wie kommen Bürgermeister und Gemeinderäte an den Film?
    Leider waren keine amtierenden Gemeinderäte oder Bürgermeister anwesend. Eventuell wird es in einiger Zeit eine DVD geben. Der Film wird jedoch noch in vielen Kommunen gezeigt.
  • Kann GWÖ neue Arbeitsplätze schaffen?
    Ja, wenn im Landkreis nicht zur Gewinnmaximierung an Investoren von außerhalb verkauft wird, sondern Unternehmen in die eigene Gemeinde herangeholt werden, in gemeinnützigen Wohnungsbau investiert wird.
  • Ist GWÖ auch etwas für größere Unternehmen?
    Meistens interessieren sich kleinere, mittelständische Unternehmen für die Zertifizierung, die Sparda-Bank München gehört zu den größeren, auch Herzogsägmühle mit ca. 1400 Angestellten. DAX-Unternehmen sind eher besorgt, in ein Fettnäpfchen zu treten. Sie scheuen die Bewertung. Bei der Zertifizierung sind max. 1000 Punkte erreichbar, Greenpeace hat z.B. 653 Punkte erworben, was als sehr gutes Ergebnis gilt.
  • Was kostet so ein Prozess konkret und wie lange dauert er?
    Es ist ein “lernender Prozess”, der von Anregungen der Gemeinderäte und des Bürgermeisters lebt, Daten müssen gesammelt werden. Es gibt Gemeinden (z.B. bei Bremen), die das selbst machen, ratsam ist aber die Begleitung. Die Kosten belaufen sich auf ca. 10.000 Euro für 200 Stunden.
  • In welcher Tiefe wird beurteilt, was wird alles reingerechnet?
    Die Bilanzierung am Anfang enthält natürlich immer das Risiko, dass sie unvollständig ist. Beim Hinterfragen von beliefernden Unternehmen kann auch nie zu 100 % garantiert werden, dass keine Menschenrechte missbraucht werden. Bei sehr billigen Produkten ist die Gefahr natürlich sehr groß, dass dies der Fall ist.
    Wichtig ist einfach, aktiv Transformation zu betreiben, um nicht selbst transfomiert zu werden!
  • Als Mitarbeiter im Staatlichen Bauamt Weilheim bin ich an das Vergaberecht gebunden, ich muss also den billigsten Anbieter nehmen, was kann man dagegen tun?
    Die Gemeindeverwaltungen müssen hier mutiger werden und in die Ausschreibung soziale und ökologisch Kriterien mit hineinschreiben.
    Die Politik muss hier getrieben werden. Es ist wichtig, Spielräume zu nutzen und z.B. einen Kreistagsbeschluss zu erwirken, dass z. B. ein Nachweis von mind. 10% Nachhaltigkeit erforderlich ist (Beispiel aus dem LK Dachau).
  • Welche Parteien zeigen sich GWÖ-freundlich, welche nicht?
    Das kann man so nicht sagen, die Bürgermeister aus den Gemeinden im Film waren CDU-Bürgemeister, die Oberbürgermeisterin von Flensburg, Simone Lange von der SPD, ist sehr aufgeschlossen und natürlich Grüne und vor allem ÖDP zeigen sich ausgesprochen interessiert. Generell ist der Widerstand im konservativen Lager jedoch größer.
  • Wie geht man außer mit dem Problemfeld Energiewende mit den weiteren Problemfeldern demografischer Wandel und Schuldenabbau um?
    Der demografische Wandel ist in den Matrixfelder bei der Bilanzierung mit abgedeckt. Ebenso der Schuldenabbau. Es wird gefragt: Was macht die Gemeinde mit dem Geld, das sie zur Verfügung hat, wie nutzt die Gemeinde Geld?
  • Wie steht es mit fragwürdigen Neuerungen wie Mobilfunkausbau, Stichwort 5G?
    Das wird von den Bürger*innen in fortlaufenden Prozessen diskutiert, gibt es Widerstand, gehört auch das zur Demokratie und zur Transparenz.

Der Frage- und Redebedarf des sehr interessierten Publikum war kaum zu bremsen – das Bürgerforum Buntes Fuchstal freut sich über den Erfolg dieser Veranstaltung und sieht sich ermutigt, weitere folgen zu lassen.


Sonntag, den 23.02.20 um 19.00 Uhr im Hofgartenhaus Leeder

Bildnachweis: Dr.Anke Butscher vor Publikum, Foto Beate Schnorfeil

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Ein umfangreiches Vortragsprogramm für 2020 ist in Vorbereitung.

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